Der BlogparadenBlog Ein weiterer selbstreferenzieller Blog

21Dez/100

Rezepte mit Geschichten – Auswertung der Blogparade

Ende November hat Buchstabensuppe nach Rezepten mit Geschichte gefragt. Sieben Rezepte mit Geschichten gibt es nun, unter welchen in den nächsten Tagen das agentureigene Kochbuch verlost wird. Hoffentlich habe ich Glück, es wäre mein erster Gewinn bei einer Blogparade.

Auf der Speisekarte standen:

Meine Geschichte beschäftige sich mit Frühstückeiern, der Grundlage einer gesunden Ernährung. Die Teilnahme hat wirklich Spaß gemacht!

Guten Appetit!

22Nov/101

Unfassbar: Rezept mit Geschichte

Geschichten mit Rezepten will der Agentur-Blog Buchstabensuppe hören:

Rezept: Man koche 0,5l Wasser in einem kleinen Topf. Man gebe ein rohes, Zimmerwarmes Ei mit einem Esslöffel vorsichtig und das kochende Wasser. Nach 5 Minuten Kochzeit entnehme man das Ei mit dem Löffel wieder. Das Ei serviere man mit Salz.

Geschichte: Als Kier sich zu Samra setzte, schenkte sie ihm gleich Kaffee ein: Schwarz, ohne Milch und ohne Zucker. So wie Kaffee sein soll. Oft hat Kier sich schon rechtfertigen müssen, meist nahm er dazu die Worte: Ich möchte Kaffee, keine Zuckermilch mit Kaffee.

Er sah Samra ihr Ei mit dem Löffel öffnen und kam nicht umhin, sie zurechtzuweisen.

„Das Öffnen eines Frühstückseis ist keine triviale Sache“, begann er zu dozieren. „Man darf das nicht völlig gedankenlos angehen. Das Ei braucht 5 Minuten, egal wie es geöffnet wird. Aber der erste Unterschied offenbart sich direkt, nachdem das Ei fertig ist: Man muss es nicht abschrecken, wenn man alles richtig macht!“ Kier räusperte sich und setzte sich aufrecht. Zu Demonstration nahm er sein Frühstücksei und legte ein Messer und einen kleinen Löffel bereit.

„Es gibt zwei Arten, ein weiches Ei zu öffnen“, fuhr er fort. „Der Barbar klopft mit einem Löffel gegen die Eispitze und bröckelt dann die Eischale mit den Fingern ab, bis er eine genügend große Öffnung aufgebrochen hat, um mit dem Löffel ins Ei zu stechen. Der Kenner hingegen kappt die Eispitze mit einem exakt dosiertem Messerschlag! Eine Technik mit enormen Vorteilen, was dir aber noch nicht bekannt zu sein scheint. Du hast dir gerade die Finger verbrannt.“

Kier erkannte das an der schnellen Bewegung der Hand zum Ohrläppchen. Dort wo der Körper am kältesten ist, konnte er zur Kühlung der Fingerspitzen verwendet werden.

„Ja... woher...?“

„Sei's drum!“, sprach Kier schnell weiter. „Wird das Ei mit dem Löffel geöffnet, wirst du dir unweigerlich am heißen Ei die Finger verbrennen. Du bist also höchst vorsichtig, kannst nur langsam vorgehen und musst nach jedem entfernten Schalenstück eine kurze Pause machen. Trotzdem hast du dir die Finger verbrannt!“

„Ja, genau“, bestätigte ihn Samra.

„Also: Erstens Finger verbrannt, zweitens dauert es unglaublich lange. Sprich: Das Ei ist schon kalt, bevor es offen ist, ganz anders bei der Messertechnik.“

Hier hob Kier Tarrant seine Stimme und griff bedeutsam nach dem bereit gelegten Messer.

„Der geübte Öffner muss das Ei während des Öffnens nur kurz mit einer Hand festhalten, so lange er mit der anderen die Eispitze entfernt. Ein Verbrennen der Finger ist bei der kurzen Berührung des Eis kaum möglich! Beim Öffnen mit dem Messer hat man als Ergebnis die Kappe, die sofort gegessen werden kann, da sie durch die relativ große Oberfläche der Schnittkante gut auskühlt. Samra, dieser Vorteil ist nicht zu verachten!“

„Ja, stimmt.“ Gebannt und mit weit geöffneten Augen verfolgte Samra nun seinen Vortrag.

„Beim Öffnen mit dem Messer steht dir – neben der Kappe – auch das Ei sofort zur Verfügung, da es durch die große Oberfläche, an der es auskühlen kann, jetzt schnell eine angenehme Esstemperatur erreicht hat. Wenn du dein Ei mit dem Löffel öffnest, bekommst du weitere Schwierigkeiten, wenn es daran geht, das Ei zu salzen. Während du bei der Löffeltechnik eine konvexe Oberfläche hast, die es schwer macht, Salz so darauf zu streuen, dass es auf dem Ei bleibt, bekommst du beim Öffnen mit dem Messer die bekannt flache Oberfläche, die den weiteren Vorteil hat, dass das Salz nicht gleich wieder herunterfallen kann. Samra, ich verstehe nicht, weshalb du dein Ei mit dem Löffel aufmachst!“

„Tut mir leid, Kier“, kommt es zögerlich vom Samra zurück. „Sprich weiter!“

Kier änderte seine angespannte Position und nahm eine bequemere und lässigere Haltung ein.

„Gesetzt den Fall, man hat als Löffelöffner nun die Schwierigkeiten des Salzens überwunden, steht jetzt aber ein besonders kritischer Augenblick bevor: Das Anstechen des Eis. Je nach Ei und Löffel kann es vorkommen, dass das Eiweiß nicht sofort nachgibt sondern sich ausbeult und an der dem Löffel gegenüberliegenden Seite aufplatzt und sich das ganze Eigelb über den Eierbecher bis auf die Tischdecke ergießt. Zum Einen hat man dann eine riesen Sauerei, zum Anderen ist das Eigelb der schmackhafteste Teil des Eis, der nun verloren ist. Wenn du dein Ei mit dem Messer öffnest, liebe Samra, ist das ganz anders. Weil die Eiweißoberfläche schon durch den ersten Schnitt aufgeschnitten wurde, kannst du jetzt leicht mit dem Löffel einstechen. Und wie geht es weiter? Nachdem du das Ei gegessen hast, willst du ja weiter frühstücken. Geht aber nicht, wenn du mit dem Löffel gearbeitet hast. Du bist noch eine Weile mit dem Einsammeln der vielen kleinen Schalenstücke, die sich über Teller und den weiteren Umkreis um den Eierbecher verteilen, beschäftigt. Merkst du nicht, dass davon deine schlechte Laune nach dem Frühstück entsteht?“

„Du hast recht, Kier.“ Einige Augenblicke saß sie betreten da und betrachtete Kier, wie er sein Ei perfekt öffnete und verspeiste.