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7Nov/101

Blogparade Leseherbst 2010

stimmenderzeit

Kaffeepause ruft dazu auf, ein Buch für den Herbst zu empfehlen. Gerne trage ich dazu bei, denn Lsen liegt mir wirklich am Herzen - wann, wenn nicht jetzt?

Ich habe mich fü J.G. Ballards "Stimmen der Zeit" entschieden:

Zu Beginn wird der Leser von einem Vorwort Ballards begrüßt, in dem dieser eine Lanze für die Gattung der Stimmenderzeit in Blogparade Leseherbst 2010Kurzgeschichte bricht und sie gegenüber dem Roman verteidigt. Dabei wurde beim Übersetzen vermutlich der kleine aber feine Unterschied zwischen der „Short Story“ aus dem englischsprachigen Raum und der deutschen Kurzgeschichte aber nicht beachtet. Denn nicht bei allenfolgenden Erzählungen handelt es sich um reine Kurzgeschichten. Somit wird im Vorwort von der Kurzgeschichte gesprochen, aber die Short Story gemeint. Da im Übrigen Ballards Überlegungen sehr erhellend und zwingend sind, darf dies aber nicht stören. Ob man sich nun seiner Ansicht anschließt oder nicht, auf jeden Fall kann man sich auf die folgenden 38 Erzählungen freuen.
In seinen Geschichten beweist Ballard große Phantasie. Die Themen der Erzählungen stellen eine ungeheure Bandbreite dar, immer jedoch scheint die Zeit ein Thema zu sein. In wie vielen Facetten Ballard im Stande ist, dieses Grundthema zu variieren, ist erstaunlich. Dabei steht in einigen Geschichten die Zeit also solche deutlich im Vordergrund, in anderen spielt sie ihre Rolle beinahe diskret und unterschwellig.
Die Texte zeichnen sich alle durch ein konsequentes Weiterdenken aus. Dabei wirken die von Ballard im Vorwort berichteten Beschwerden, es handle sich dabei nicht um Science Fiction, eher kurzsichtig: Was, wenn nicht die „visionäre Gegenwart“ ist Inhalt der Science-Fiction-Literatur, wenn sie nicht nur als Marketing-Kategorie verstanden wird?
Und dann sind die Geschichten auch noch unheimlich packend und spannend (insbesondere „Warte-Gründe“) und enden mit beinahe undenkbaren Pointen, die aus der Überschrift bestehen und dennoch nicht vorhersehbar sind (beispielsweise „Jetzt: Null“).
Fazit: Kein Buch, um es auf einen Sitz durchzulesen. Es muss aber für besondere Herbst-Momente immer bereit liegen.

Nachtrag - Bisher dabei:

Barbara Piontek: Der Klang des Schnees (T. Whartons) [1]
Sabine Schönberg: Milchgeld (V. Klüpfel, M. Kobr)
Raphaela Hofmann: Das Monstrum (S. King) [2]
Martin Skerhut: Amokspiel (S. Fitzek) [3]
Dirk Schwanicke: Aufzeichnungen eines Außenseiters (H. K. Bukowski) [4]
Caihgan: Der Kinderdieb (G. Brom) [5]
Melanie Eckstaller: Verschiedene Vorschläge [6]
Anika Abel: Die Tribute von Panem (S. Collins) [7]
P. Sperling: Stimmen der Zeit (J.G. Ballards) [8]
Annette Biesalski: Die Unperfekten (T. Rachmann) [9]
AMUNO: Das Buch des Teufels (C.J. Sansom) [10]
iggi Mestmäcker: Schweig still, mein Kind (P. Busch) [11]
Katrin Zinoun: Fremder Feind, so nah (A. Senfft) [12]
Daniela Dreuth: Das verborgene Wort (U. Hahns) [13]
eike Jurzik: Sworn to Silence (L. Castillo) [14]
Andrea Groh: Mini Shopaholic (S. Kinsella) [15]

Kommentare (1) Trackbacks (1)
  1. Ballard gefällt mir auch, aber den Band kenne ich noch nicht. Ich werde es damit versuchen.


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